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Autor: Martina Wendinger

Wenn Fragen verletzen – über gesellschaftliche Erwartungen, Kinderwunsch und die Realität vieler Familien

Gesellschaftliche Erwartungen begleiten uns ein Leben lang – mal laut, mal leise, aber immer präsent. Sie betreffen Frauen und Männer, Kinder, Jugendliche, Paare – und sie prägen unser Denken, Fühlen und Handeln. Besonders deutlich wird dieser Erwartungsdruck, wenn es um das Thema Familienplanung geht.

Gesellschaftliche Erwartungen – oder „Na, wann kommt denn das zweite Kind?“

Diese Frage haben viele Elternpaare schon gehört. Und viele Frauen, insbesondere ab Mitte 30, kennen die drängenden Nachfragen im Freundeskreis, wie auch in den Familien, nach dem ersten Kind nur allzu gut: „Willst du nicht langsam Mutter werden?“ Oder: „Wird es nicht langsam Zeit?“ Doch was, wenn der Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht? Was, wenn sich jemand bewusst gegen Kinder entscheidet? Oder wenn das erste Kind bereits da ist – aber kein weiteres kommen kann, aus welchen Gründen auch immer?

Solche Fragen wirken auf den ersten Blick harmlos – sie sind tief in unserer gesellschaftlichen Norm verankert. Doch sie können tief treffen. Sie können schmerzen, verunsichern und alte Wunden aufreißen. Denn hinter jeder vermeintlich belanglosen Bemerkung steckt die implizite Annahme: Eine Frau wird erst mit Kind zur „richtigen Frau“. Und ein Paar wird erst mit mindestens zwei Kindern zur „richtigen Familie“.

Doch ist das wirklich so?

„Zwei Kinder sind normal. Eines passt nicht und mehr als zwei ist auch zu viel.“

Ein Satz, den ich vor Kurzem in einem Gespräch zwischen zwei Müttern hörte. Die beiden schienen sich schon länger zu kennen. Sie unterhielten sich offen und vertraut über Kinder, den Alltag und schließlich auch über das Thema Familienplanung. Die Eine, selbst Mutter einer fünfjährigen Tochter, sagte mit einem leicht ironischen Unterton: „Zwei Kinder sind normal. Eines passt nicht und mehr als zwei ist auch zu viel.“  Sie schüttelte dabei den Kopf, nicht zustimmend, sondern eher entnervt. Sie war, geschätzte 44 Jahre alt und bekommt, wie sie erzählte, immer noch regelmäßig die Frage zu hören: „Und? Wann kommt denn endlich das Zweite?“

Die andere Mutter antwortete daraufhin leise und ein wenig nachdenklich:
Bei uns war’s genauso. Wir haben ein Kind. Nicht, weil wir bewusst ein Einzelkind wollten – im Gegenteil, ich habe mir immer eine große Familie gewünscht. Doch das Leben ist nicht immer planbar. Und obwohl unser Familienleben voller Liebe, Lachen und Herausforderungen ist, bleiben diese Fragen nicht aus – von Familie, Nachbarn, Kollegen und sogar im Freundeskreis.

„Ihr solltet euch beeilen, sonst ist der Altersunterschied zu groß.“
„Wollt ihr denn kein Geschwisterchen mehr?“
„Ein Kind ist doch einsam.“

Solche Aussagen treffen – selbst, wenn sie gut gemeint sind. Denn sie stellen das eigene Muttersein infrage. Sie lassen einen zweifeln: Bin ich nicht „genug“ als Mutter? Als Frau? Als Ehepartnerin? Sie sprechen einem die Entscheidungshoheit ab, als läge die Familienplanung vollständig in unserer Hand.

Hinter jeder Familie steckt eine eigene Geschichte.
Manche Paare entscheiden sich bewusst gegen Kinder. Andere kämpfen verzweifelt mit unerfülltem Kinderwunsch. Manche haben ein Kind – nicht, weil sie es so geplant haben, sondern weil es das war, was ihnen möglich war. Und jede dieser Geschichten verdient Respekt und Anerkennung. Denn Familie ist mehr als ein Schema aus Vater, Mutter, Tochter, Sohn. Familie ist unter anderem ein Gefühl, eine Entscheidung, eine Verbindung, eine lebenslange Verantwortung.

Besonders in ländlichen Regionen sind die traditionellen Vorstellungen von Familie noch tief verwurzelt. Dort, wo das Idealbild von Vater, Mutter, zwei Kindern noch sehr präsent ist, geraten Abweichungen schneller in den Blick. Doch genau hier liegt auch die Chance: Im Umdenken. Im Zuhören. Im sensibler werden.

Ein kleiner Perspektivwechsel mit großer Wirkung.
Vielleicht sollten wir uns öfter fragen, bevor wir fragen: Was könnte meine Frage in meinem Gegenüber auslösen? Könnte ich mit meiner gut gemeinten Neugier ungewollt verletzen? Ein kurzer Moment der Selbstreflexion kann helfen, empathischer zu sein und Raum für offene, ehrliche und respektvolle Begegnungen zu schaffen.

Denn letztlich geht es um mehr als nur um wieviel Kinder oder gar keine Kinder. Es geht um Wertschätzung und um die Anerkennung für individuelle Lebenswege und es geht auch darum, gesellschaftliche Erwartungen nicht über das persönliche Glück zu stellen.

Sie haben Fragen oder Anregungen zu diesem Blogartikel? Nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf: zum Kontaktformular.

Hilfe! Alles noch normal oder schon mediensüchtig?

Der 14-jährige Leo spielt täglich mehrere Stunden online-Videospiele. Er vernachlässigt seine sozialen Kontakte, geht nicht mehr in den Fußball und auch seine Schulnoten verschlechtern sich seit einiger Zeit. Alle Bemühungen der Eltern, ihn für gemeinsame Familienaktionen zu begeistern scheitern. Wo ist die Grenze? Wie können Eltern diese frühzeitig erkennen und darauf reagieren?

Jungens sind häufiger von dem Online- Spiel verfallen, hingegen verbringen Mädchen mehr Zeit mit social media vom Bildschirm.

Kennen Sie das? Machen Sie sich Sorgen, ob das Verhalten Ihres Kindes bezüglich Medienkonsum noch „normal“ ist?

Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Kind bezüglich Häufigkeit, Beginn, Beendigung und Dauer des Medienkonsums die Kontrolle verloren hat und dass das Spiel oder social media wichtiger als alle anderen Alltagsaktivitäten geworden sind? Macht sich Ihr Kind keine Gedanken über die möglichen Konsequenzen einer Grenzüberschreitung bezüglich seines Verhaltens und der Regeln, die Sie aufgestellt haben?

Es wird empfohlen, dass Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren eine eingeschränkte Mediennutzung von maximal 1-2 Stunden täglich und nur bis 21 :00 Uhr zur Verfügung haben. Vgl. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin et al. (2023)

Eltern und ältere Geschwister müssen sich bewusst sein, dass sie sich immer in einer Vorbildhaltung befinden. Zudem ist es hilfreich, feste Regeln zu Nutzung der Medien gemeinsam zu vereinbaren und schriftlich festzuhalten. Diese werden von allen Familienmitgliedern unterschrieben und durchgesetzt. Solche Regeln können sich auf den Zeitraum und die Örtlichkeit der Nutzung beziehen, wie zum Beispiel, kein Handy beim Esstisch oder / und keine Bildschirmzeit im Schlafzimmer…

Im Alltagsleben ist es für Familien häufig anstrengend und schwierig die vereinbarten Regeln zu überprüfen und durchzusetzen. Wichtig ist es, mit dem Kind in Beziehung zu bleiben, Präsenz und Interesse zu zeigen für die Vorlieben und Bildschirmaktivitäten des Kindes und das Medium nicht zur Belohnung oder zur Bestrafung einzusetzen. Wenn Sie Unterstützung und/ oder Beratung benötigen, können Sie sich gerne bei mir melden.

Mobbing kann jeden treffen

Die Mutter einer 9-Jährigen Tochter, die Mobbing ausgesetzt war, berichtet:

„Es gab da zur gleichen Zeit verschiedene Vorfälle. In der Klasse waren es hauptsächlich die Jungs, die unserer Tochter das Pausenbrot weggenommen haben, damit gespielt und sich darüber lustig gemacht haben. Dazu wurde ihr gesagt, dass sie zum Glück Stirnfransen hat, damit man nicht ihr ganzes Gesicht sehen muss. Da gab`s einige so „kleine“ gemeine Vorfälle. Unsere Tochter hat darauf dann selbst rebellisch reagiert und sich unter der Stunde der Lehrerin widersetzt, sodass sie zur Strafe bei der Direktorin Pinnadeln sortieren musste. Sie hat dann auch noch im Unterricht die digitale Tafel ausgeschaltet. Sie wollte damit erreichen, dass die Jungs sie cool finden und sie somit ihre Ruhe hat. Die „eigentlichen“ Freundinnen von meiner Tochter haben sich mit den Jungs verbündet und dann auf dem Boden im Schulhof in sehr groß geschrieben „Ein Mann macht Pipi auf …“ und noch schön dazu gezeichnet. Andere Kinder haben das der Direktorin gemeldet. Daraufhin wurden die Kinder in die Direktion zitiert, wurden befragt, mussten sich entschuldigen und das Geschmiere wegputzen. Die Eltern der Kinder wurden nicht informiert und auch sonst gab es keine Aufarbeitung. Wir fühlten uns allein gelassen.“

Betroffene Eltern bleiben mit einem Gefühl von Hilflosigkeit, Angst und Sorge um ihr Kind, mit Machtlosigkeit, Wut, Ärger und auch Traurigkeit zurück. Gespräche mit der Schule ändern oftmals nicht viel, oder verschlechtern im schlimmsten Fall die Situation für das eigene Kind. Oftmals sind Lehrpersonen in ihrem Auftrag überlastet und haben keine Ressourcen, um soziale Aufarbeitung von anliegenden Themen adäquat aufzuarbeiten.

Was also tun? Wie kann ich mein Kind unterstützen? Ich muss es jeden Tag wieder in der Schule schicken, wohlwissend, dass es ihm dort nicht gut geht, dass ihm möglicherweise wieder neue Anfeindungen drohen. Damit geht es einem als Elternteil nicht gut und Verunsicherung und Hilflosigkeit können sich ausbreiten.

Gespräche mit der Klassenleitung, der Schulsozialarbeiter:in, der Schulpsycholog:in und der Schulleitung können zur Aufklärung beitragen. Ihr Kind muss sich in der Schule sicher fühlen.

Was also kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, dass mein Kind gemobbt wird?

Wichtig ist es mit dem Kind in Kontakt zu bleiben, genau hinzuhören und das Kind und seine Erzählungen ernst zu nehmen. Versuchen Sie herauszufinden, welche Situationen und Vorfälle es gab. Wann genau und wie oft kommen Übergriffe vor und von wem? Gibt es andere Kinder, denen es gleich ergeht, oder die zuschauen?

Lohnend ist es, eventuelle Verbündete in der Schule, mit denen sich ihr Kind gut versteht, zu finden. Vielleicht können diese Ihrem Kind eine Unterstützung werden. Gibt es Kinder, mit dem sich ihr Kind den Schulweg teilen kann? Signalisieren Sie Ihrem Kind auf jedem Fall, dass es nicht allein gelassen wird in seiner Situation und dass Sie sich daran beteiligen die Vorfälle aufzuklären.

Erwarten Sie von Ihrem Kind keine Dinge, die es nicht erfüllen kann, wie zum Beispiel sich zu wehren oder der Lehrperson alles zu erzählen. Wenn Sie und Ihr Kind Unterstützung und Beratung brauchen, kontaktieren Sie mich gerne auch für kurzfristig vereinbarte Terminmöglichkeiten.